Ausbildung
Einsatz Schlauchtragekörbe bei den Schleizer Feuerwehren


 
 
 Schlauchtragekörbe für C- Druckschläuche lösen bei den meisten Feuerwehren die unhandlichen C- Schlauchhaspeln ab. Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand. Grundsätzlich müssen die vorgehenden Kräfte nicht mehr mit der sperrigen, unhandlichen und nur zu zweit nutzbaren C- Haspel ins brennende Gebäude vorgehen oder Diese vor dem Gebäude abwickeln.
Nach Recherchen im Internet und eigener Ideenfindung, hat die Einsatzführung der Schleizer Feuerwehr in enger Zusammenarbeit mit dem Gerätewart eine neue taktische Vorgehensweise vor allem für Einsätze im Innenangriff entwickelt. Sie wird nach einer Testphase als Standard in den Schleizer Feuerwehren eingeführt.

Voraussetzung für einen optimalen Einsatz ist die gute Nachbereitung nach Einsätzen (Schlauchtragekörbe richtig bestücken) und eine regelmäßige Ausbildung. Ziel ist, dass die vorgehenden Kräfte spätestens 3 Minuten nach Ankunft am Einsatzort voll ausgerüstet und mit Wasser am Strahlrohr in jede beliebige brennende Wohnung von klassischen Wohngebäuden vorgehen können.
Ausrüstungsgegenstände für Innenangriff (ohne persönliche Schutzausrüstung)

Ausrüstungsgegenstände Truppführer:

1.  Schlauchtragekorb mit 1 x 15m C- Schlauch (Reserve), Absperrventil, Seilschlauchhalter, 20m C- Schlauch und Hohlstrahlrohr (alles in der Reihenfolge zusammengekoppelt - siehe auch Nachbereitung unten)

2.  Halligantool

3. Wärmebildkamera

4. Leinenbeutel mit Bandschlaufe, Keile, Karabiner, Rettungsschere, Kennzeichnungsstricke, Stift

5. Handsprechfunkgerät mit Sprechgarnitur (Anschluss für Helm)

6. Handlampe (Knickkopfleuchte LED)

 

Ausrüstungsgegenstände Truppmann

1.  Schlauchtragekorb mit 3 x 15m C- Schlauch (alle zusammengekoppelt, Schlauchende so eingelegt, dass ohne Öffnung einer Schlaufe der Schlauch ausgezogen werden kann- siehe auch Nachbereitung unten)

2.  Handsprechfunkgerät mit Sprechgarnitur (Anschluss für Helm)

3. Fluchthaube

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Einsatzablauf
 
 
Nach Eintreffen am Einsatzort werden alle oben aufgeführten Einsatzmittel durch den Angriffstrupp aus dem Fahrzeug entnommen und mitgeführt. An der Rauchgrenze (bzw. bei kurzen Wegen bis zur Rauchgrenze - am Hauseingang) werden die Lungenautomaten an die Atemschutzmasken angeschlossen und der Atemschutzüberwachung die Atemluft- Ist- Daten des jeweiligen Manometers übermittelt.
 
 
Ins Gebäude gehen die Einsatzkräfte möglichst nur mit laufendem Überdrucklüfter. Der Verteiler muss besetzt sein, der Anschluss der Schlauchleitung erfolgt - wie üblich - für den ersten Trupp links am Verteiler.
(HINWEIS:   Bei der weiteren Beschreibung wird davon ausgegangen, dass das Treppenhaus nicht verraucht ist)
 
 
 
Der Angriffstruppführer läuft vor dem Angriffstruppmann (Beleuchtung einschalten) bis zur Eingangstür der vermuteten brennenden Wohnung. Mit Hilfe der bereits am Fahrzeug eingeschalteten Wärmebildkamera kann er schon eine kurze erste Lage (Temperatur Tür) durchführen und ggf. dem Gruppenführer melden. (ohne Bild)
Der Angriffstruppmann übergibt die Kupplung des ersten C- Schlauches seines Schlauchtragekorbes am Verteiler dem Melder (wenn er nicht selbst anschließt) und zieht eine ca. 3m lange Schlauchreserve aus dem Tragekorb. Dann legt dann den Schlauch im Gebäude in Richtung Angriffstruppführer aus. Dabei prüft er zunächst, ob eine effektive Verlegung durch das Treppenauge (Schlauch- und Zeitsparend) möglich ist.
 
Verlegung Schlauch durch Treppenauge (Schlauch- und Zeitsparend, etwas mehr kräftezehrend wegen der Führung übers Geländer)
 
 
 
Die Verlegung der Schlauchleitung über die Stufen des Gebäudes (im Bild hier Außentreppe) muss dann erfolgen, wenn kein Treppenauge oder ein zu begrenztes enges Treppenauge eine optimale Verlegung behindert oder es zu einer Verengung der Schlauchleitung bei Wasserabgabe kommen würde. Hierbei wird allerdings deutlich mehr Schlauchleitung benötigt (2- 3 fache Schlauchlänge, entsprechend der Geschosshöhe und den entprechend der Anzahl der Stufen pro Etage).
Bis zur 3. Etage sollten aber trotz allem die drei Schläuche des Tragekorbes vom Angriffstruppmann ausreichen.
(Hinweis:  an Außentreppen oder Gebäudeaußenseiten wird der Schlauch von oben herabgelassen)
 
   Während der Angriffstruppmann die Schlauchleitung nach oben führt, öffnet der Angriffstruppführer seinen Schlauchtragekorb und kippt ihn komplett aus

(Hinweis:  besser Tragekorb kopfüber hinlegen, öffnen, Boden nach oben klappen und Schlauchpaket über "Deckel" einfach abziehen)

Dann trennt er den Reserveschlauch vom Absperrventil und befestigt das Absperrventil am Geländer mittels Seilschlauchhalter. (beide Bilder folgend)
 
 
 
Das Absperrventil wird dann verschlossen und der vom Angriffstruppmann ankommende C- Schlauch am Absperrventil angeschlossen.

Nun wird per Funk an die Einsatzkraft am Verteiler (nach FWDV Melder) das Kommando "Wasser marsch" übermittelt.
 
Der Angriffsschlauch (der in die Wohnung führt) ist 20m lang. Das Schlauchpaket sollte vor öffnen des Strahlrohres auseinandergezogen werden. Dazu kann man, wenn möglich, mit dem Strahlrohr zunächst eine Etage höher gehen, den Schlauch etwas nach oben ziehen und dann wieder auf die Einsatzetage zurückkehren. Während der Angriffstruppführer den "Tür - Check" durchführt, öffnet der Angriffstruppmann nach Absprache und Kontrolle Strahlrohr (durch AT-Führer) den Absperrhahn unmittelbar am Treppenaufgang.
 
Die Angriffsschlauchlänge (20m) reicht in allen Standardwohnungen bis in die letzte Ecke.
Trotz allem liegt vor der Wohnungstür noch die Schlauchreserve (15m). Sie kann sowohl zur Verlängerung der Angriffsleitung, als Austausch bei Defekt oder auch als Zuleitungsreserve bei Verlegung über Stufen (event. bei 4 Etage) verwendet werden.
Durch den Einsatz des Absperrventiles ist eine schnelle Verlängerung der Angriffsleitung oder ein Austausch bei Defekt Dieser möglich, ohne das die Wasserversorgung vom Verteiler her getrennt werden und zusätzlich druckentlastet werden muss.
 
abschließende Bemerkung:

Die Beschreibung der grundsätzlichen taktischen Vorgehensweise trifft natürlich nicht für alle denkbaren Szenarien zu. Beim Brand im Kellerbereich und oder schon bereits verrauchten Treppenhäusern, muss natürlich schon eher (Rauchgrenze) mit Wasser am Strahlrohr vorgegangen werden! Außerdem muss entsprechend der Lage eine Abluftöffnung für den vom Überdrucklüfter erzeugten Luftstrom geschaffen werden. Die Abluftöffnung kann z.B. ein Treppenhausfenster sein. Zu beachten ist dann allerdings, dass beim Vordringen in eine Wohnung die Abluftöffnungen nie größer als die Zuluftöffnung werden. Gegebenenfalls muss dann z.B. das Treppenhausfester wieder geschlossen werden, um nach öffnen eines Fensters in der brennenden Wohnung einen gezielten Luftstrom erzeugen zu können.
 

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 Nachbereitung
 
Der Tragekorb des Angriffstruppführers muss in folgender Reihenfolge "gestopft" werden:
15m C- Schlauch, Absperrventil (offen), (Seilschlauchhalter), 20m C- Schlauch, Strahlrohr.
Es ist darauf zu achten, dass das Absperrventil in Längsrichtung genau gegenüber dem Strahlrohr eingebaut wird.(Hier falsch: erste Kupplung und Absperrventil müsste unten links liegen) Das ist notwendig, um beim Tragen des Schlauchtragekorbes keine "Kipp-Belastung" in eine Richtung zu haben. 

HINWEIS:   Der Schlauchtragekorb wird nicht unter Einbindung der Schlauchleitung oder des Strahlrohres mit dem Klettband verschlossen!
 
Der Tragekorb des Angriffstruppmannes muss in der Reihenfolge "gestopft" werden:
3 x 15m C- Schlauch

Zu beachten ist, dass immer gegenüber der Auszugsecke (oben rechts im Bild) die Kupplungen verbaut sind, um ein längstmöglichen Auslauf aus dem Korb zu gewähren.
Die Schlauchleitung wird jeweils bis zur Höhe der Kupplungen kürzer verlegt.

 

HINWEIS:   Der Schlauchtragekorb wird grundsätzlich nicht unter Einbindung der Schlauchleitung mit dem Klettband verschlossen! Um ein "ungewolltes auslaufen" des Schlauches zu verhindern, wird die Schlauchleitung mit dem mittleren Klettband wie im Bild dargestellt gesichert!