Technische Beschreibung der "mobilen Vorwarntafel"
"Funkkenner":  Florian Schleiz 71
 
Pilotprojekt "mobile Vorwarntafel" für Feuerwehren des Landes Thüringen
 
Vorwort:

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Schleiz erhielt am 18.03.2016 im Rahmen eines Pilotprojektes eine "mobile Vorwarntafel" zur Sicherung von Einsatzstellen auf der Bundesautobahn 9.  Das 22.082,00 € teure Anhängefahrzeug ist ein Standard- Fahrzeug der Firma Nissen und wurde zu 70% durch das Land Thüringen gefördert.

Ziel des Pilotprojektes ist, Erfahrungen mit einem solchen Sicherungsfahrzeug zu sammeln, um damit eventuell später auch andere Feuerwehren an gefährlichen Autobahnabschnitten auszurüsten.

Die "mobile Vorwarneinrichtung" soll die Unfallvorsicherung ca. 800m vor der eigentlichen Unfallstelle auf dem kurvenreichen und zugleich bergigen Abschnitt der Bundesautobahn - auf dem Standstreifen platziert - übernehmen. Dazu wird neben dem Zeichen 101 der Schriftzug "Unfall" angezeigt. Somit widerspricht dieses Fahrzeug nicht den Regeln der Thüringer Gesetze und Vorschriften, jene u.a. eine verkehrslenkende Maßnahme mittels Verkehrssicherungsanhänger (VSA) untersagen. Ursprünglich war genau dieses Fahrzeug (VSA) in den Planungen der Schleizer Feuerwehr, schließlich trifft man nur 25 Kilometer weiter im Freistaat Bayern auch solche Verkehrssicherungsanhänger  bei den Autobahnfeuerwehren an. Doch im Freistaat Bayern gibt es schon seit 2012 neben einer Bauvorschrift für Verkehrssicherungsanhänger auch die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen.
Nach einem tödlichen Unfall bei Schnaittach am 08.04.2014, bei dem ein junger Kamerad der dortigen Feuerwehr beim Sichern der Einsatzstelle getötet und ein weiterer Kamerad schwer verletzt wurde, sind die Feuerwehren an Autobahnen im Freistaat Bayern weiter mit solchen Verkehrssicherungsanhängern ausgestattet worden.

Bisher kam es im Abschnitt Schleiz schon zu mehreren "Beinahe- Unfällen" an Unfallstellen. Sowohl Beamte der Polizei, als auch Rettungskräfte von DRK und Feuerwehr befanden sich schon mehrfach in akuter Gefahr. Die Nachrüstung der Einsatzfahrzeuge mit Triblitzanlagen und anderen Heckwarneinrichtungen, aber auch die Beklebung der Fahrzeuge mit retroreflektierenden Folien waren erste Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.

Wenn man sich nun die Frage stellt, warum die Feuerwehr diese Absicherung übernimmt, dann muss man die Feuerwehrdienstvorschrift 1 (FwDV1) einmal etwas genauer studieren. Dort ist klar geregelt, dass bei freigegebenen Autobahnen eine Absicherung bei 800m entgegengesetzt der Fahrtrichtung beginnend - möglichst mit einem Fahrzeug - eine Vorsicherung erfolgen muss. Alle weiteren 200m ist mindestens ein Faltsignal zu stellen.
Bisher realisierten die Schleizer Kameraden i.d.R. mit dem LF 16-TS. Sowohl Fahrzeug, als auch Personal waren gebunden und standen für weitere Aufgaben am Einsatzort nicht mehr zur Verfügung.

Die "mobile Vorwarntafel" gilt nur als ein Baustein in der Unfallstellenabsicherung. Daher ist dieses Pilotprojekt zunächst auch nur ein Versuch, die Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie die betroffenen Verunglückten in diesem außergewöhnlich gefährlichen Autobahnabschnitt besser zu sichern.

 
 
Technische Beschreibung der "mobilen Vorwarntafel"
      
 
Die "mobile Vorwarntafel" ist ein Anhängefahrzeug, jenes in dieser Ausführung über ein Zugmaul für Lkw- Anhängekupplungen verfügt. Die Deichsel des 570 kg (zul. Gesamtgewicht 750kg) schweren Fahrzeuges ist höhenverstellbar. Der auflaufgebremste Ein- Achs- Anhänger ist mit 4 Fallspindeln ausgestattet und kann somit autark genutzt werden. Der elektrische Anschluss ans Fahrzeug wurde 13- polig über das 12 Volt- Bordnetz realisiert und dient nur der Stromversorgung des Anhängers und nicht der Warntafeln.
 
Aufstellung der "mobilen Vorwarntafel"
 
 
 
Die Aufstellung der Vorwarntafel kann schon während der Anfahrt zu Einsatzstelle erfolgen. Ein Geschwindigkeitssensor (GPS- gesteuert) verhindert, dass bei zu hoher Geschwindigkeit die "mobile Vorwarntafel" aufgestellt wird. Bei Überschreitung der vorgegebenen Geschwindigkeit senkt sich die Tafel wieder in Endstellung und wird automatisch verriegelt.
Die beiden Warntafeln sind mit unterschiedlichen LED- Matrix- Feldern ausgestattet. Die obere Tafel hat neben weißen LEDs auch rote an Bord. Somit können dort 29 Zeichen dargestellt werden. Da dieses Pilotprojekt aber nur das Zeichen 101 (StVO) zulässt, wurde somit auch nur dieses Zeichen programmiert.
Die untere Tafel besteht aus zwei Einheiten. Die mittlere Einheit kann mehrzeilig verschiedene ineinander führende Zeichen und Symbole statisch oder wechselnd darstellen. Auch hier ist zunächst nur der Schriftzug "Unfall" programmiert. Die untere Einheit ist nur einzeilig, verfügt z.Z über keine Programmierung.
 
 
Die Aufstellung der "mobilen Vorwarntafel" selbst kann mittels Funkfernbedienung kabellos im Umkreis von 80m (also auch aus dem Zugfahrzeug heraus) erfolgen. Für den Notbetrieb gibt es aber auch eine Anschlussmöglichkeit für ein Kabelsystem.
Für die Fernbedienung wurden die Zugfahrzeuge mit speziellen Halterungen ausgestattet.
 
 
Bis zu 48 Stunden ist ein autarker Betrieb des Anhängefahrzeuges mittels der beiden verbauten Lkw- Batterien (in Reihe geschaltet, 24 Volt) möglich. Diese werden am Standort mittels eingebautem Ladegerät wieder nachgeladen. (Bild rechts). Die Fernbedienung wird dann ebenfalls über die Ladeeinrichtung im vorgesehem magnetischen Ladesessel geladen.
 
 

Die in LED- Technik ausgeführte Bordbeleuchtung kann über die Rückführung des Steckers der Anhängesteckdose ebenfalls vom Bordnetz der beiden Lkw- Batterien realisiert werden.

 
 
Die beiden Blitzleuchten beginnen sofort nach der Entriegelung Aufstellvorrichtung der Warntafeln zu blinken und schalten sich auch beim Ablegen wieder ab.
Im Übrigen passen sich die LED- Symbole und Schriften automatisch den Sichtverhältnissen an. Dazu sind die Warntafeln auch seitlich gut lesbar.