Der Kampf um das Schloss Burgk 

Die Kameraden der Feuerwehren Burgk, Möschlitz,
Remptendorf und Schleiz waren bei Großübung
teilweise bis an ihre Belastungsgrenzen im Einsatz
 

16.05.2009  Alarmierung:  09:29 Uhr   

Einsatzdatenbank/  es wurde u.a. eingesetzt:

57 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus vier Orten, 2 Mann DRK
12 Atemschutzgeräte
1 Atemschutzzelt SEZ
1 Turbolüfter
1 Atemschutzüberwachung für 4 Trupps gleichzeitig
4 x TS 8
1 TLF (Heckpumpe im Einsatz)
3 LF 8/6 (1 Heckpumpe im Einsatz)
2 LF 16- TS
2 Gerätewagen
1 RTW

Das rund 600 Jahre alte Schloss Burgk zählt sicherlich zu den Top- Attraktionen im Saale- Orla- Kreis - in einer malerischen Landschaft umgeben von einem gewaltigen Saalebogen - hoch oben auf Fels gebaut.
Ausgerechnet dieses Objekt war neben den geplanten Jugendweihefeiern am 16.05.2009 das erklärte Übungsobjekt für umliegende Feuerwehren mit mehreren Belastungsproben für die Einsatzkräfte.

Ca. 75 Meter oberhalb der Wasserentnahmestelle an der Saale kämpften am Samstag Vormittag die Kameraden der Feuerwehr Schleiz gegen eine extreme Rauchentwicklung im 3 stöckigen Bodenbereich oberhalb des Rittersaales. Ein Arbeiter wurde vermisst und konnte erfolgreich gerettet werden.
Während der Rettungmaßnahmen wurde eine Einsatzkraft bei einem Einsturz von Zwischendeckenteilen verletzt eingeklemmt und kam nach wenigen Minuten in extreme Bedrängnis auf Grund von Atemnot. Sein Pressluftatmer war schnell aufgebraucht, der Kamerad befand sich zu diesem Zeitpunkt mit seinem Truppmann bereits auf dem Rückzug.

Währenddessen sich im Bodenbereich des historischen Kulturgutes dramatische Rettungsszenen abspielten, hatten die Kameraden der Feuerwehren Remptendorf und Schleiz/Oschitz - mit Unterstützung aus Möschlitz-  mit den enormen Höhenunterschieden und den langen Transportwegen der beiden benötigten TS 8-ten zum Saaleufer unterhalb des Schlossareales zu kämpfen. Hunderte Meter musste die gesamte Einsatztechnik geschleppt werden. Dazu gab es einen Höhenunterschied der Wasserförderung bis zum als Puffer genutzten Löschteich von ca. 40 Meter zu überwinden.

Aus dem komplett verrauchten Dach oberhalb des Rittersaales drang weit sichtbar deutlich Rauch heraus - ein Albtraum nicht nur für die Kameraden der Feuerwehren sondern auch für den Landkreis Saale- Orla, der gleichzeitig Eigentümer dieses wunderschönen Schlosses ist.
Dank eines im Wochenendlehrgang geschulten Atemschutz- Notfalltrainings konnte dem verunfallten Kameraden geholfen werden. Die Überlebenschancen sind nunmehr durch neue Erkenntnisse und guter Vorbereitung der Atemschutzgeräteträger Dank dieser Ausbildung deutlich gestiegen.
Die Notversorgung der Einsatzkraft mit Atemluft seines Partners im Trupp und dem anschließenden Komplettwechsel seines Atemschutzgerätes- auch unter extremer Verrauchung-  sowie der anschließenden technischen Rettung war das gut ins Szene gestellte Notfallmanagement ein großer Erfolg, wie der beobachtende Kreisbrandinspektor auch in seiner Auswertung deutlich machte.

Ebenfalls bewährt hat sich die schnelle und umfangreiche Abschnittsbildung mit Aufbau eine Funknetzwerkes. Durch die Trennung des Funkes war überhaupt die Rettung des Kameraden so schnell möglich.

Neue Techniken, wie die Atemschutzüberwachung, Ortungssystem, Helmsprechgarnituren sowie neue Pressluftatmer rundeten ergänzend und unterstützend den hohen Ausbildungsstand der beteiligte Einsatzkräfte ab. Der Einsatz der neuen TS 8 der Gemeinde Burgk war ebenfalls entscheidend für den Erfolg dieser Übung.

Die Übung wurde von den insgesamt fünf beauftragen Beobachten als sehr gut und erfolgreich eingeschätzt. Beginnend bei der hervorragenden Vorarbeit der FFw Burgk, über den doch schnellen Aufbau einer stabilen Wasserversorgung unter Extrembedingungen und den perfekten Einsatz im Notfalltraining waren alle Beobachter nicht nur zufrieden mit der Arbeit der Kameraden sondern gleichzeitig auch beeindruckt.

Wenn es statt Sonnenschein geregnet hätte, wäre im Anschluss wenigstens eine berechtigte Kritik am Wetter zu verzeichnen gewesen. Zu Lasten der eingesetzten Kameraden konnten wirklich nur kleinere nicht erfolgsrelevante Fehler dargelegt werden. Die Verantwortlichen von Gemeinde und Landkreis sowie der Schlossverwaltung werden sicherlich die bautechnischen Änderungsmöglichkeiten zur Entlastung der Kameraden in den nächsten Tagen  beraten.

Die Wehrführung/ Einsatzführung der FFw Schleiz dankt:

- allen beteiligten 57 Kameradinnen und Kameraden aus Burgk, Remptendorf, Möschlitz und Schleiz
- dem Rettungsdienst (DRK) aus Schleiz,
- der Schlossverwaltung,
- den
Beobachtern  dem Kam. Tiersch, der Kam'in Funk (Landratsamt), dem Kam. Lanitz (KBM Schleiz/Tanna) sowie den
   Kam. Lorenz und Hahn (Alterskam. Schleiz)
- dem Ortsbürgermeister aus Burgk, Herr Hauck
- dem Mitarbeitern der Schlossterasse- für die Verpflegung
- den MA der Rettungsleitstelle für die gute einsatzrealistische Unterstützung der Übung

und hofft auf das Verständnis der Einwohner aus Burgk für eventuelle Unannehmlichkeiten während der Übung.


Vielen Dank für die Bereitstellung der Bilder an die Kam. Hildebrandt und Hahn sowie an die OTZ Redakteurin J. Albig! 


Bericht der OTZ hier

 

 

 
 
 
 
 
 
 

Löschwasser 40 m weiter unten

Bericht OTZ vom 18.05.2009

Fünf Feuerwehren proben den Ernstfall unter dem Dach von Schloss Burgk
Von Judith Albig Burgk. Das 600-jährige Schloss steht unmittelbar an der Saale. Und doch ist das Wasser weit weg. Als fünf Feuerwehren der Region am vergangenen Sonnabend den Ernstfall probten, mussten sie das Löschwasser ca. 40 Meter in die Höhe pumpen. Dazu kam, dass die Anschlussleitung unterhalb des Haupthauses an einer Uferstelle aus der Erde tritt, die mehreren Männern kaum Raum zum Agieren lässt und dass das schwere Gerät zudem sowohl von der Staumauer Burgkhammer, als auch von Burgk aus nur zu Fuß herangeschleppt werden kann.

Im Winter könnte das für die Feuerwehrleute selbst, die ja anderen zu Hilfe eilen, zu einer Katastrophe werden. Verständlich, dass alle schnauften und mancher mit den Augen rollte - eine Meisterleistung aber, dass die Remptendorfer, Oschitzer und Möschlitzer Kameraden es am Sonnabend dennoch schafften.

Ihre "Kollegen" aus Schleiz hatten es unterdessen rund 75 Meter weiter oben nicht besser. Unter das Dach über dem Rittersaal hatten sie mit Atemschutzgerät über 91 Stufen bzw. 35 Meter nach oben zu dringen - "eine Viecherei" -, um eine verletzte Person in dem nur spärlich beleuchteten, verrauchten Raum zu retten.

Hier stellte sich die ohne Halterungen steil nach oben zu führende Leitung als technisch unlösbar und der über die enge Wendeltreppe hinunter zu schleppende Verletzte als körperlich nicht zu bewältigen heraus. Nicht zuletzt diente die Übung genau solchen Erkenntnissen, und die entsprechende Suche nach neuen Lösungen für den Brandschutz im Schloss steht bei den verantwortlichen Stellen des Landkreises als Eigentümer bevor.

Ein unentbehrliches Glied in der generalstabsmäßig aufgebauten Helferkette bei der Übung waren auch die Kameraden der kleinen Burgker Feuerwehr, die zunächst eine Löschwasserleitung aus dem kleinen Teich am Schloss zum Schlossgebäude und anschließend die Verbindung von der Leitung aus der Saale zum Auffüllen des Teiches oben am Schloss schufen.

Undenkbar das Ganze im Ernstfall freilich ohne die Rettungskräfte des DRK. Auch sie waren bei der Übung, um einen praxisnahen Einblick in die Situation vor Ort zu bekommen.

Positiv war die Überraschung beim Löschwasserzufluss aus der Saale. 700 Liter in einer knappen halben Minute mit nur einer Pumpe - das reicht nach der Einschätzung der Fachleute völlig aus, zumal der kleine obere Teich zu Beginn eines Löscheinsatzes erst einmal einen guten Puffer bietet. Im Ernstfall wird man deshalb auf die zweite Pumpe am Saale-Ufer verzichten können.

Nur sechs Minuten nach dem Sirenenton hieß es "Wasser marsch" aus dem kleinen Teich, 31 Minuten dauerte es, bis das Wasser aus der Saale zur Verstärkung da war, und nach 20 Minuten schon waren Kameraden bei dem Verletzten in dieser extremen Höhe.

Übungschef Stadtbrandmeister Ronny Schuberth, der Kreisbrandmeister Uwe Tiersch sowie alle Beobachter und Protokollanten schätzten anschließend ein: "Eine gute Arbeit von allen" und eine hervorragende Übungsmoral, sprich:hoher Einsatz auch, nachdem sich zeigte, dass kein Ernstfall vorliegt.

 

Gewappnet sein

Kommentar (OTZ 18.05.2009)

Von Judith Albig   Es ist ein ziemlich unwahrscheinlicher Fall, dass unter dem Dach über dem Rittersaal von Schloss Burgk, 91 Stufen und geschätzte 35 Meter hoch, bei einem Brand ein Verletzter liegt. Doch viele Situationen, in denen ein Unglück passiert, sind ziemlich unwahrscheinlich, und auch bei denen - oder gerade da! - braucht man Hilfe. Denkbarer ist schon ein Brand an sich - ohne einen Menschen, der auf dem Dachboden herumläuft. Für diesen Fall stellte man bei der Übung, über die wir auf unserer zweiten Lokalseite berichten, Mängel fest, die nun behoben werden müssen. Es ist schon beruhigend, dass Männer sich den Stress antun, ihre Hilfe bei wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Gefahrensituationen zu trainieren. Und es ist gut, dass sie dafür gewappnet sind.